Foto: Isolde Ohlbaum

Durch die Schlachthausstraße führte mein Schulweg, durch die Bildgasse, den Schwefelgestank von Herburger & Rhomberg, wo gelbgesichtige Arbeiter an einer Ecke standen und verschnauften (mein erster Anschauungsunterricht in Sachen „Lohnarbeit und Kapital“). Bei der Unterführung in der Schlachthausstraße, wo es noch immer Verzinkerei Zimmermann hieß, war eines Tages eine Spielhölle eröffnet worden. Ich war vierzehn, gerade das rechte Alter, um das ganze Taschengeld in die Flipper zu stecken und süchtig zu sein nach „Black Emmanuelle“, das mir eigentlich gar nicht gefiel. Einen Sommer lang spielte ich jeden Tag dort, ließ mir von dem unangenehmen knorrigen Alten in den Hintern treten, wenn ich seinen Flipper nicht sanft genug behandelte. Düsterer Sommer von Coca-Cola, Pommes frites und Wiener Würstchen, Regen in der Schlachthausstraße und unerreichbare fremde Mädchen, die immer jemanden fanden, der ihnen eine Münze gab für „Black Emmanuelle“ in der Jukebox. Das Verwegene, leicht heruntergekommene dieser Mädchen zog mich unwiderstehlich an. Aber es war damütigend zu wissen, dass man zu jung, zu harmlos, zu grün hinter den Ohren für sie war.

Wolfgang Hermann


Mein Dornbirn

Essay

Verlag

Hecht Verlag 1991


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