Foto: Isolde Ohlbaum

Wolfgang Hermann


Als könnt ich einfach weg von hier

Theaterstück

und ist nicht mehr von ihm gewichen.


Die Flasche kam von selbst zu mir. Sie ist anhänglich. Sie macht alles klar bis zur Durchsichtigkeit. Noch ein Schluck, und alles wird überscharf.


Der Mann hat Trennlinien innerhalb seines Körpers, seiner Hülle gezogen. Er hat den Rückzug angetreten und bewegt sich in den Zwischenräumen, die er früher übersprungen hat. Er begibt sich auf die innere Spurensuche nach dem Loch, das er dabei übersehen hat.


Nie wusste ich, wo die Gefahr lauerte, da die Dinge nicht sie selbst waren. Da alles nur eine Täuschung war, ein Budenzauber, ein Scherz. Die Dinge waren ihre eigene Imitation. So war es auch mit mir. Ohne dass ich begriffen hätte wie, war ich zu meiner eigenen Nachahmung geworden.


Wolfgang Hermann skizziert in einem inneren Monolog die Wege eines Ausgegrenzten. Die realen Stationen, die zum Absturz geführt haben, werden nur angedeutet. Hermann liefert keine

Milieustudie aus der Welt der Chlochards, beruhigt nicht mit oberflächlichen Begründungen. So wird das Scheitern seines Protagonisten, das man mit Distanz sehen könnte, umso näher gerückt.

Wie sie geht, die mit dem Hund an der Leine, wie hoch sie den Kopf trägt. Zum Glück hat sie es eilig, sonst würde der Hund an meine Ecke pissen. Ohne Metro wäre ich erfroren. Der Typ da, der gerade aus seinem Geländewagen steigt, der Anzug ist geschnitten wie meiner mal war.


Ein Mann sitzt an seiner Stammecke auf dem Gitter eines Metroschachts und beobachtet die vorbeihetzenden Passanten. Er ist aus der Gesellschaft ausgeschlossen, der er einmal angehört hat,- inklusive monatlicher Rechnungen, Abbuchungsaufträgen und Schließfach auf der Bank. Heute nimmt ihn seine Umwelt als stinkende Kreatur wahr, von der man sich weit entfernt wähnt.


Ich habe sie gehabt, die Sicherheit und habe nichts davon bemerkt. Was du hast, lässt dich verblöden. Du siehst es nicht mehr. Du siehst das Bett, die Tür, die Wohnung nicht mehr. Du siehst nicht die Frau, die neben dir schläft. Du bist ein Gespenst. Stellst keine Fragen. Wunderst dich manchmal, dass du es bist, der unter der Dusche steht.


Er denkt an die Frau, die mit ihm alt werden  wollte und dann nach zwei Jahren zum nächsten Liebhaber gewechselt hat. Irgendwann ist er aus einer leeren Wohnung in die Metro geflohen. Irgendwann hat sich die Flasche zu ihm gesellt

Du weißt nicht wie das ist, wenn dir das Gehirn zerbröselt. Nichts kannst du machen als zusehen, wenn es dir zerbröselt. Gerade wolltest du noch was sagen und mehr, du wolltest was tun, aber es geht nicht mehr, du hängst am Haken, kommst nicht von der Stelle.


In den Lücken zwischen den Wörtern geschieht das Leben, das nicht aussagbar ist. Ich habe versucht, im Monolog eines Ausgestoßenen den Zwischenräumen zu folgen, die Membran nach der anderen Seite zu durchstoßen. (Wolfgang Hermann)




Besetzung

1H / 1Dek


Aufführungsrechte

Thomas Sessler Verlag, Wien


Link

> www.sesslerverlag.at