Foto: Isolde Ohlbaum

Albert kauft den stillen Dichter für das Versprechen von Karriere und Reichtum als PR-Mann für seine Firma. Als die Stimmung mit steigendem Alkoholkonsum eskaliert, kommt ein Anruf von Michael aus Shanghai.


„Ist ein Ehemann eine Investition? Sinkt der Aktienkurs einer Frau mit den Jahren?“


Wolfgang Hermann zeigt auf die Wunden einer machtorientierten Gesellschaft, deren Leben sich zwischen Parties, Yacht und Golfplatz abspielt. Ideale sind für die Luxusvilla verkauft, Träume auf das Bankkonto gebucht. Lebenslang bezahlt man die Zinsen für verjährte Kompromisse, die letzten Zweifel am dekadenten Dasein sind sicher im Safe verwahrt. Während die Geschäfte florieren, werden kaputte Ehen durch einen stummen Pakt am Leben erhalten. Doch Hermann lässt auch der Komödie Raum. Das Tragische ist hier von Komik gebrochen, und das Komische zeigt einen doppelten Boden.



Albert, der erfolgreiche Geschäftsmann, ist überall der Boss. Er ist gewohnt, dass alles nach seiner Pfeife tanzt. Mit allen Mitteln hält er den Clan zusammen, aus dem Pat, seine Schwester vergebens auszubrechen versucht. Albert trinkt, und er spielt mit den Menschen.


Wolfgang Hermann


Shanghai

Theaterstück

Es stehen Millionen auf dem Spiel. Und nicht nur um die Millionen, die wir jetzt machen, geht es. Es geht um die Millionen, die wir in Zukunft machen werden in China. China ist das Land der Zukunft. Und wir sind mittendrin.


Der erfolgreiche Geschäftsmann Albert steht vor einem Millionengeschäft in China. Seine Containerschiffe warten auf ihre Abfertigung. Michael, sein Partner und Ehemann von Pat, Alberts Schwester, fliegt nach Shanghai, um die Container durch Bestechung loszueisen.


Während der Deal an einem dünnen Faden hängt, trifft man sich mit dem befreundeten Ehepaar Henrietta und Charles zum Dinner in Alberts Villa. Gespannt wartet man auf eine positive Nachricht aus Shanghai.


Auch der ehemals berühmte Schriftsteller Hubert, von dessen Buch alle gehört haben, ist zu Gast. Pat, deren Ehe mit Michael am Ende ist, sieht in ihm das Ideal des seelenvollen Künstlers, für den sie ihren Mann verlassen möchte. Aber Hubert, dessen literarische Ambitionen wanken, hat seinen Preis.


Als Pat den Überredungskünsten ihrer Cousine Henrietta zum Trotz alles auf eine Karte setzen und Michael noch vor dessen Rückkehr verlassen will, wird sie von ihrem Bruder ausgetrickst.

„Die lauen Sachen interessieren mich nicht.

Ich will spüren, dass ich lebe.“


Pat leidet an der Sprachlosigkeit in ihrer Ehe mit Michael, Alberts Geschäftspartner. Sie hat Michael in die Firma gebracht. Sie brachte das Geld in die Ehe. Dennoch lebt sie in doppelter Abhängigkeit von Bruder und Ehemann.


„Ich habe einmal geträumt. Ist ja egal.“


Michael war ein Habenichts, als Pat ihn kennenlernte. Sein einziges Kapital war seine Energie, sein Ehrgeiz. Die Heirat mit Pat war sein lukrativster Deal. Die Firma bedeutet ihm mehr als seine Frau. Er entzieht sich dem Gespräch mit ihr.


„Was soll ich denn sagen?“


Hubert ist zu Gast in der Welt der Reichen. Er wurde früh vom Erfolg verwöhnt. Doch die in ihn gesetzten Erwartungen als Schriftsteller konnte er nicht erfüllen. Er zitiert sich nur noch selber, ist ausgebrannt. Und er ist ehrgeizig: Er möchte gerne in die Kreise der Begüterten aufsteigen. Er nützt seine Chance.


„Mein Ruhm ist der eines gefallenen Wunderkinds.

Ich bin der Montgomery Clift der Literatur.“


Henrietta hat sich in ihrer Ehe mit Charles arrangiert. Sie ist Charles’ Geldgeberin und Mutter. Sie hat ihre Illusionen gründlich verloren. Doch wozu ist das Leben da, wenn nicht um jede Illusion zu verlieren? Alle Männer sind Kinder. Und Kinder spielen um Geld. Von ihrer Cousine Pat erwartet sie, dass sie sich arrangiert und ihre Träume aufgibt.


„Sie wollen versorgt sein. Von der

Versorgung bei ihrer Mama kommen

sie lückenlos in deine Pflege.“


Charles, der ehemalige Gigolo, war einmal Henriettas Traummann. Bis sie bemerkte, dass beinahe jede attraktive Frau seine Traumfrau ist. Und dass das attraktivste an seiner Ehefrau ihr Reichtum ist. Charles’ bester Freund ist der Alkohol.


„Wir leben nur scheinbar. Cincin!“

Besetzung

4H / 2D / 2 Statistinnen / 1Dek


Aufführungsrechte

Thomas Sessler Verlag, Wien


Link

> www.sesslerverlag.at